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Das Closlieu - Malatelier

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Hier ein Auszug aus Kapitel 6 des Buches: „Der gemalte Schrei“ von Bettina Egger, in dem sie die Besonderheiten des Malateliers für das Begleitete Malen beschreibt:

 Das Malatelier 

Das Malatelier ist ein fast leerer, heller Raum. Die Wände sind mit Brettern verkleidet, auf die die Malpapiere geheftet werden können. Die Leere des Raumes (keine Staffeleien, Stühle, oder anderes Mobiliar) erlaubt der Maltherapeutin, jederzeit alles im Auge zu behalten und sowohl die Malenden wie die Bilder ständig zu beobachten. Eine stetig gleich bleibende Atmosphäre wird dadurch gewährleistet, dass es kein Tageslicht hat. Keine Störungen von außen dringen in diesen geschützten Raum. Wenn die Malenden kommen, ist er immer gleich, ob morgens oder abends, im Sommer oder im Winter, bei schönem oder schlechtem Wetter. Diese Konstanz hilft den Malenden, sofort Kontakt mit ihrer Innenwelt aufzunehmen und es fällt ihnen leichter, dort fortzufahren, wo sie das letzte Mal aufgehört haben.
Die Malenden stehen während des Malens aufrecht vor ihren Bildern. Die stehende Körperhaltung begünstigt den Ausdruck. Das Papier wird so hoch aufgehängt, dass die Arme gestreckt werden müssen, um den oberen Blattrand zu erreichen. Dadurch steht man offen vor seinem Platz, bereit für die Bilder. Die stehende Position erlaubt den Malenden auch, zwischendurch vom Bild Distanz zu nehmen.
In der Mitte des Raumes steht ein Palettentisch mit 21 Farben. Neben jeder Farbe liegen zwei Pinsel in verschiedener Dicke. Zusätzlich hat es Schälchen für Mischfarben und weitere Pinsel verschiedenster Art. Der Palettentisch ist mit seinen vielen Farben sehr anregend und eine unaufdringliche Aufforderung, die Farben zu benützen.


Das Malmaterial

 Die Farben sind dickflüssige, qualitativ hochwertige Gouachefarben. Um die Bedingungen für die Arbeit im Malatelier zu erfüllen, müssen sie leuchtend sein, weder allzu deckend noch allzu transparent. Es ist wichtig, dass sie genügend Deckkraft haben, um alles, was gemalt worden ist, wieder zu überdecken. Sie dürfen durch das Mischen die Leuchtkraft nicht verlieren. Die Farben sollten sowohl für den Gebrauch mit dem Pinsel wie mit den Händen oder dem Spachtel geeignet sein. Die Pinsel stehen in verschiedenen Qualitäten zur Verfügung. Auf dem Palettentisch liegen reine Feehaarpinsel, rund und spitz gebunden. Diese Form hat den Vorteil, dass man denselben Pinsel für feine Linien wie auch für das Malen von Flächen brauchen kann, ohne ihn wechseln zu müssen. Als Mischpinsel kommen auch gute Kunsthaarpinsel in Frage. Das Papier ist immer weiß und ebenfalls von guter Qualität. Das Grundformat ist 70 x 100 cm. Größere Bilder werden aus mehreren Blättern zusammengesetzt. Die klare, fast karge Struktur des Malateliers fördert die Arbeit am Bild und an seelischen Prozessen, indem sie Ablenkung durch weitere Materialien, Musik, Gruppenarbeit etc. ausschließt.


Die Gruppe 

Im Idealfall kommen die Malenden einmal pro Woche ins Atelier und malen in einer Gruppe von acht bis zwölf Teilnehmerlnnen. Die Malgruppe, in der Lynn arbeitete, hatte nie mehr als sieben Malende. Die Zusammensetzung der Gruppe war nicht konstant: In den sieben Jahren verließen immer wieder einige Teilnehmerlnnen die Gruppe, und neue kamen dazu.
Wenn mehrere Leute zur gleichen Zeit malen, entsteht eine spürbare Energie, welche die einzelnen TeilnehmerInnen trägt. Obwohl die Malenden während des Malens kaum Kontakt untereinander haben, fühlen sie sich unterstützt und geschützt. Es gibt keine Diskussion über die Bilder, weder über die eigenen noch über die der anderen, noch werden die Bilder von mir interpretiert. Man darf in diesem speziellen Schonraum so malen, wie man will. Am Ende von zwei Stunden Malen sitzt die ganze Gruppe noch kurz zusammen. Es ist die Zeit, in der die Malerfahrungen mitgeteilt werden können - eine Art Ausgangsritus. Auch während dieser Zeit werden die Bilder nicht besprochen.
Das Malatelier mit seiner Einrichtung, seiner Struktur und seinem Materialangebot ist darauf ausgerichtet, das Malen optimal zu erleichtern, den Ausdruck zu fördern und die Malenden zu stützen. Im übrigen verweise ich auf das Werkbuch „Faszination Malen“ (1980), in dem ich detailliert auf die Strukturen des Malateliers eingegangen bin.

 

Bettina Egger: Der gemalte Schrei, Bern 1991 (ISBN: 3-7296-0382-5)
Bettina Egger: Faszination Malen, Bern, 1980 (ISBN: 3-7296-0106-7)